Dieses Werk ist eine Sammlung von Kompositionen, die eines der zentralen Themen des Autors – „filigran schwankende Strukturen und Entwicklungen“ – im Gewand von IDM (Intelligent Dance Music) erforschen und zum Ausdruck bringen.
Das erste Stück mit dem Titel „Contour of Oblivion“ (Originaltitel: 『忘却の輪郭』) beginnt mit einer gemächlichen, aber auch schwerfällig wirkenden Gitarrenphrase. Während man zunächst vermutet, dass sich das Stück in einer schattenhaften Atmosphäre vor einem rhythmischen Hintergrund entfaltet, wandelt sich das Bild schlagartig: Ein improvisierter Synthesizer-Bass und Synthesizer-Pads dringen unvermittelt ein. In diesem Moment scheint das Tempo kurzzeitig zu gefrieren, was ein Gefühl von Unbehagen und Anspannung erzeugt, bevor die Musik wieder in ihren ursprünglichen Klangraum zurückkehrt.
Ein charakteristisches Merkmal, das in vielen elektronischen Werken von Masaharu zu finden ist, liegt darin, dass sie zwar oft die Anmutung von Ambient-Musik besitzen, sich aber nie bereitwillig in eine bloße, behagliche Chill-out-Stimmung flüchten. Statt in einer einfachen Atmosphäre zu verharren, versucht die Musik, komplexe, vage geistige Bilder und deren zeitliche Veränderung klanglich einzufangen. Dies geschieht durch morphing-artige Übergänge und blockhafte, diskontinuierliche Strukturen. Wenn man diese Eigenschaft mit einem Wort beschreiben müsste, wäre „introvertiert“ (introspektiv) wohl am treffendsten. Die Einführung neuer musikalischer Elemente erfolgt ohne Eile und mit Zurückhaltung; die Zeit wird aus einer begrenzten Auswahl an Materialien konstruiert. Schließlich schließt das Stück leise nach der Wiederholung eines Motivs, das man als „stille Anspannung“ bezeichnen könnte.
Das zweite Stück, „Tangle of Gazes“ (Originaltitel: 『錯綜する眼差し』), atmet eine ähnliche Atmosphäre wie das vorangegangene, bewegt sich jedoch in einem Up-Tempo-Fluss. Hier werden fragmentierte Gesangsteile nebeneinandergestellt, denen jegliche textliche Bedeutung entzogen wurde. Das Ergebnis ist, dass diese Stimmfragmente rein als klangfarbliche Elemente fungieren; es finden sich weder Scat-ähnliche Melodielinien noch eine sprachliche Bedeutung, die man als Rap bezeichnen könnte. Sie werden schlicht wie Bausteine übereinandergeschichtet und aneinandergereiht.
In diesem vergleichsweise schnellen Fluss werden die Szenen durch das Ein- und Aussetzen mehrerer Schlagzeugpartien und Gitarrenriffs gewechselt. Doch der anorganische Klang der Stimmen überzieht das Ganze wie ein Schleier und erzeugt eine dem Beat widersprechende Stagnation. Dies hinterlässt den Eindruck, als blicke man durch einen trüben Nebel auf ein kaltes Licht.
Auch im dritten Stück, „Liminal Dream“ (Originaltitel: 『夢のあわい』), werden wie im zweiten Titel Gesangsfragmente verwendet, doch die Atmosphäre wandelt sich vollkommen. Das gesamte Stück hindurch steht die Harmonie von Akustikgitarre und Synthesizer-Pads im Vordergrund; der Fluss des Titels ist diesem Klang anvertraut. Die Harmonien entwickeln sich so, dass die einzelnen Töne wie bei einem Morphing-Prozess ineinanderfließen; ehe man es bemerkt, hat sich der Klangraum bereits gewandelt. Das rhythmische Anschlagen der Gitarre (Cutting) übernimmt dabei eine Funktion ähnlich eines Orgelpunkts: Es stützt die Achse der morphing-artigen Harmonien und trägt zu einem hypnotischen, konstanten Rhythmus bei.
Wie der Titel bereits andeutet, finden sich hier keine euphorisierenden Elemente wie übermäßige Reize oder emotionale Aufwallungen. Selbst wenn Momente eintreten, in denen sich der Rhythmus zu verflüchtigen scheint, bleibt der schwebende Klang bestehen – ein Eindruck, der an einen dämmrigen Halbschlaf erinnert. Wenn die vagen, subtilen Klänge, die sich nicht mit einfachen Worten wie „hell“ oder „dunkel“ beschreiben lassen, beginnen, mit den Gesangsfragmenten zu einem einzigen Rhythmus zu verschmelzen, erreicht das Stück sein Ende. Dies ähnelt dem seltsamen Gefühl des Abbruchs, wenn man mitten aus einem Traum heraus die Augen öffnet.
Es ist bemerkenswert, wie in diesen drei Stücken zwar ähnliche musikalische Materialien und Konstruktionsmethoden verwendet werden, aber dennoch jeweils ganz unterschiedliche musikalische Stimmungen erzeugt werden.
