Als Junge, der das Basteln liebte, kämpfte ich ständig mit der Unfreiheit der „Materie“ und empfand dabei oft ein gewisses Gefühl der Niederlage. Angesichts der dem Holz oder Metall innewohnenden Härte und der Mauer aus handwerklichem Geschick, die ihre Bearbeitung erforderte, spürte ich die Frustration, das innere Bild nicht vollkommen verkörpern zu können. So war ich gezwungen, mich innerhalb der Grenzen leicht zu bearbeitender Materialien wie „Papierbasteleien“ oder „Plastikmodellbausätzen“ zu bewegen, deren Rahmen bereits vorgegeben war.
In diese Welt der Beengtheit trat eines Tages eine „immaterielle“ Revolution. Es war die Welt der MSX-Heimcomputer und der Programmiersprache BASIC, die ich durch eine Lernzeitschrift entdeckte. Das Konzept der Programmierung traf mich wie ein Schlag. Dort gab es weder Fehler beim Zuschnitt noch Materialermüdung. Wenn man Befehle logisch korrekt beschreibt, antwortet das System ohne die geringste Abweichung.
Dieser „Schaffensraum mit garantierter Reproduzierbarkeit“ befreite mich von den Fesseln physikalischer Gesetze und entließ mich in ein reines Spiel des Denkens. Auch meine erste Musikproduktion fand auf diesem MSX-Computer statt. Ich tippte eine Folge von Symbolen namens MML (Music Macro Language) ein, und beim Ausführen des PLAY-Befehls erklang vor mir eine Welt aus dreistimmigen Akkorden, erzeugt durch den PSG-Soundchip. Der Prozess, bei dem Klang nicht durch die Nuancen der Fingerspitzen auf einer Tastatur, sondern durch geschriebenen Code (Symbole) erzeugt wird, erschien mir damals als überaus elegant.
Zuerst begann ich damit, Partituren aus Musiklehrbüchern einzutippen. Wenn eine Melodie durch die von mir geschriebenen „Befehle“ im Raum erklang, empfand ich über die subjektive Rührung hinaus ein stilles Gefühl der Allmacht – das Gefühl, das System vollständig zu beherrschen. Bald verlagerte sich mein Interesse darauf, Musik zu reproduzieren, die ich in Spielhallen gehört hatte. Ich verlor mich in der Freude, Stücke wie Segas *Hang-On* oder Nichibutsus *Terra Cresta* in meinen eigenen Händen neu zu erschaffen.
Die Beschränkung auf drei Stimmen des PSG-Soundchips mag auf den ersten Blick den Ausdrucksbereich einschränken. Doch darin verbarg sich ein intellektuelles Ausprobieren, das man als „Ästhetik der Subtraktion“ bezeichnen könnte. Welche Töne extrahiert und zu welchem Zeitpunkt sie innerhalb der begrenzten Stimmenanzahl platziert werden sollten – diese Arbeit, einen vielschichtigen Klang quasi künstlich zu konstruieren, bescherte mir ein hochgradig raffiniertes Vergnügen an der Konstruktion, das sich qualitativ völlig von den Mühen meiner früheren Basteleien unterschied.
Um ehrlich zu sein, hatte ich damals einen leichten Komplex, weil ich „kein Instrument spielen konnte“. Doch durch die Vermittlung des MSX als logisches Gerät verwandelte sich dieses Minderwertigkeitsgefühl in eine eigene Identität. Es war ein gewisser paradoxer Stolz: „Jemand, der kein Instrument spielen kann, bringt Musik durch Logik zum Erklingen.“ Man könnte sagen, es war der Versuch, unabhängig von körperlichen Fähigkeiten durch Intellekt in die Welt der Musik einzugreifen.
Die unpersönlichen elektronischen Klänge aus den Lautsprechern waren für mich keineswegs kalt. Vielmehr empfand ich gerade das präzise Tempogefühl, das menschliche Mehrdeutigkeiten ausschloss, als die aufrichtige Persönlichkeit der Computermusik. Neben der Freude, ein fertiges Stück zu präsentieren, empfand ich tiefe Genugtuung beim Betrachten der geordneten Programmlisten. Diese Liste war das Protokoll, in dem meine musikalische Sensibilität als Gerüst aus Logik mit einer spürbaren Greifbarkeit Gestalt annahm.
Der bastelbegeisterte Junge, der einst an physischen Grenzen scheiterte, erlangte so das transparente Material aus „Befehl und Verarbeitung“ und lernte die Kunst, eine formlose, aber beständige eigene Musikwelt zu errichten. Mit diesem neuen Spielplatz der Logik in der Hand streckte ich schließlich meine Fühler nach der noch komplexeren Farbenwelt der FM-Synthese aus: dem PC-8801FH.

