Bei der Beleuchtung von Wohnräumen gibt es je nach Verwendungszweck verschiedene Möglichkeiten: das bläulich-weiße „Tageslichtweiß“ (Kaltweiß), das sich für das Lesen oder für Detailarbeiten eignet; das „Neutralweiß“, das dem natürlichen Sonnenlicht nahekommt; und das orangefarbene „Warmweiß“, das die Wärme eines Lagerfeuers ausstrahlt.
In meinem privaten Studio und Arbeitszimmer hatte ich jahrelang eine „neutralweiße“ Beleuchtung. Dahinter steckte keine explizite Absicht. Als ich anlässlich eines Umzugs ein neues Leben begann, wählte ich sie lediglich aus einer vagen Vorstellung eines „Neuanfangs“ heraus – den Wunsch, unter einem aktiven Licht wie am helllichten Tag zu verbringen. Ich glaube, ich nahm dieses helle Licht als positives Symbol an, so wie man zu Beginn einer neuen Jahreszeit unter die Sonne tritt.
Doch entgegen dieser visuellen Helligkeit mag sich über die Jahre hinweg ein gewisses Unbehagen auf einer Ebene angesammelt haben, die nicht in das Bewusstsein vordrang. Eine unbewusste Zerstreuung der Konzentration, ein chronisches Müdigkeitsgefühl und die damit einhergehende mentale Disharmonie oder vielleicht eine undefinierbare Unruhe könnten ständig über meinem Kopf geschwebt haben.
In einer solchen Situation tauchte plötzlich das Bild eines Zimmers auf, in dem ich früher gelebt hatte. Dort leuchtete ein sanftes, warmweißes Licht – das genaue Gegenteil von Neutralweiß. Es war ein friedvoller Anblick, bei dem eine feine Wärme in die Dunkelheit der Nacht sickerte. Diese Farbe, die dem Schein eines Lagerfeuers oder einer Kerze gleicht, kann als das Licht bezeichnet werden, das die „nächtliche Ruhe“ und die „Selbstreflexion“ symbolisiert, mit denen der Mensch seit Urzeiten vertraut ist.
In dem Bedürfnis, Gewissheit zu finden, tauschte ich die vorhandene Beleuchtung gegen warmweiße Lampen aus. In diesem Moment veränderte sich die Atmosphäre des Raumes schlagartig. Mit dem Wechsel der Lichtfarbe entstand das Gefühl, dass nicht nur der physische Raum, sondern auch mein Inneres zu dem Ort zurückkehrte, „wo es hingehört“.
Es war, als ob verstreute Fragmente meines Geistes wie von einem Magneten angezogen zu einer Einheit verschmölzen und die Umrisse meiner Gedanken klar hervortraten. Es war die Erfahrung, mich selbst in meinem „Nest“ wiederzufinden und in aller Stille die Konzentration zurückzugewinnen.
Diese Erfahrung bescherte mir eine Art dualistisches Bild. Das neutralweiße Licht symbolisiert sozusagen die Kreation durch die „Sonne“. Es besitzt die Eigenschaft, Energie nach außen abzustrahlen und objektive Logik sowie Strukturen aufzubauen. Für Arbeiten, die eine präzise Planung oder komplexe Konzepte erfordern, mag die durch dieses Licht hervorgerufene „Spannung“ und „Wachheit“ geeignet sein. Es entspricht einer Haltung, das eigene Werk innerhalb externer Bewertungen und der Beziehung zu anderen zu positionieren.
Das warmweiße Licht hingegen symbolisiert die Kreation durch die „Nacht“, oder – als Gegenstück zur Sonne – die Kreation durch den „Mond“. Dies steht für das Bild der „Versunkenheit“, bei der man sich vom äußeren Lärm abkehrt und tief in das eigene Innere eintaucht. Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass ein Großteil meines künstlerischen Schaffens unter der Anziehungskraft dieses „Mondes“ gewachsen ist.
Schlagworte wie „Einsamkeit“ und „Selbstreflexion“ haben in meinem Schaffen und meiner Musiktheorie stets eine zentrale Rolle gespielt. Dies mag nicht nur eine geistige Neigung gewesen sein, sondern wurde vielleicht auch durch die physische Umgebung der Lichtfarbe bestimmt. Die Zeit, in der man im Schutz des warmweißen Lichts in der Stille der Nacht mit inneren Erinnerungen und Gefühlen zwiesprache hält, ist eine feierliche Inszenierung, um sich von den Blicken der Welt zu befreien und nur sich selbst gegenüberzutreten.
Dieses Erlebnis hat mir erneut vor Augen geführt, dass die „Versunkenheit und Erweckung durch den Mond“ für mich wichtiger war als die „Ausstrahlung und Spannung durch die Sonne“. „Das eigene Schaffen zu reflektieren und zum Ursprung zurückzukehren“ bedeutet nicht nur, vergangene Techniken oder Methoden nachzuahmen. Es kann auch durch eine Reise geschehen, auf der man die Farbe des Lichts, die einen geprägt hat, und die inneren Landschaften, die dieses Licht heraufbeschwört, wiederentdeckt.

